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Geodäsie in der Schweiz - Aus der Vergangenheit in die Gegenwart und Zukunft

Am Montag 09.11.2015 fand im Stadtmuseum Aarau eine ganztägige Fachveranstaltung zum Thema "Geodäsie in der Schweiz - Aus der Vergangenheit in die Gegenwart und Zukunft" statt welche die GGGS in Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum Aarau / Sammlung Kern (SMA), der Schweizerischen Geodätischen Kommission (SGK) und dem Institut für Vermessung und Geoinformation (IVGI) der FHNW organisiert hat.

Rund 100 Teilnehmer, unter Ihnen erfreulicherweise auch viele Studenten, fanden sich um 09:30 Uhr im Foyer des Neubaus des Stadtmuseums Aarau ein. Nach einer kurzen Begrüssung durch Kaba Rössler (Leiterin Stadtmuseum) und Reinhard Gottwald (Präsident GGGS) startete die Veranstaltung mit dem ersten Vortragsblock.

Dieser wurde durch Béatrice Simos-Rapin mit einem in französischer Sprache gehaltenen Referat über die Bedeutung der Vergangenheit für die Zukunft eröffnet.  Béatrice Simos-Rapin schlug dabei einen Bogen von den alten Ägyptern über das Mittelalter bis hin zu modernsten Vermessungsgeräten und wagte auch einen Blick in die (digitale) Zukunft von Anwendungen aus dem Bereich der Geomatik und Geodäsie. Anschliessend nahm sich Bertold Witte dem Thema "Die Vermessung langer Tunnel von der Antike bis zum 20. Jahrhundert" an. Er beleuchtete den Bau des Tunnels in Samos und erläuterte, wie und mit welchen Instrumenten und kniffen damals ein erfolgreicher Durchschlag erreicht werden konnte (Stichwort "Versicherungshaken"). Der Sprung ins 19. Jahrhundert führte ihn anschliessend zum Bau des Gotthard Eisenbahntunnels und der damaligen Möglichkeiten. Erstmals wurde dabei ein Tunnel gebaut, bei welchem die Portale nicht mittels einer direkten Flucht miteinander verbunden werden konnten. Und selbst den Aufwand eines Richtstollens, welcher nur für die Vermessung gebaut wurde (man verwendete nur Durchschlagsinstrumente welche eine gerade Linienführung erlaubten), wurde nicht gescheut. Den Abschluss bildete der Bau des Eurotunnels unter dem Ärmelkanal, welcher exemplarisch für das 20. Jahrhundert beigezogen wurde. Dabei wurde die noch neue GPS-Technologie erstmals für den Bau eines solchen Tunnels eingesetzt. Da man aber der Höhenübertragung doch noch nicht ganz traute und der Aufwand des anschliessend notwendigen Nivellements doch erheblich war, wurde aber entschieden, für die Höhe ein hydrostatisches System zu verwenden (Pegelmessungen).

Bei der anschliessenden Kaffeepause konnten erste Gespräche unter den Teilnehmern geführt werden.

Im zweiten Vortragsblock am Vormittag wurde dem Plenum durch Adrian Wiget die Resultate der Arbeitsgruppe Landesvermessung der GGGS vorgestellt. Der Vortrag zeigte anhand verschiedener epochaler Leistungen den Werdegang der Landesvermessung der Schweiz auf. In jeweils 100 Jahren konnte die Genauigkeit der Vermessung unseres Landes rund um den Faktor 100 verbessert werden. Diese Verbesserungen basierten immer auch auf einer technologischen Weiterentwicklung des verwendeten Instrumentariums. Den Schluss bildete das heutige, gegenwärtig aktuelle Landesvermessungswerk LVW95, welches mittels moderner GNSS-Vermessung erstellt wurde und aktuell auch durch die swisstopo Unterhalten wird. Zum Schluss seines Referates wagte Adrian Wiget auch noch einen Blick in die Zukunft der Landesvermessung und der Dienstleistungen der swisstopo. Mit "Den Kunden die Referenz erweisen" fand er ein passendes Schlusswort. Im letzten Vortrag vor der Mittagspause beleuchtete Kaba Rössler die Entstehung des neuen Stadtmuseums Aarau. Sie spann dabei den Bogen über die Herausforderungen die sich vor, während bis hin zum Betrieb ihrem kleinen Team stellten. Die Anwesenden erfuhren, wie das moderne Museum konzipiert und umgesetzt wurde. Ebenso erfuhren sie, wie die Studiensammlung Kern in das Museumskonzept integriert werden konnte und wie sich eine Studiensammlung (Stichwort "Wunderkammer") zu einem Museum positioniert.

Der Stehlunch bot im Anschluss Gelegenheit, sich mit feinem Risotto, kleinen Sandwiches und weiteren Häppchen zu verpflegen. Ebenso wurde ein reger Austausch unter den Teilnehmer gepflegt.

Gegen 13 Uhr, nach Kaffee und Kuchen, wurden die Gruppen für den Besuch der Studiensammlung und des Museums gebildet. Der Rundgang gab den Teilnehmer auf fünf Stationen Einblicke in das Stadtmuseum, die Studiensammlung Kern, in eine kleine Ausstellung historischer Instrumente der Landesvermessung sowie in die Epochen der Landesvermessung anhand einer PowerPoint-Präsentation. Aufgrund der begrenzten Zeit konnten die einzelnen Posten jeweils nur kurz besucht werden. Dennoch verstanden es die jeweiligen Redner einen interessanten Überblick über die Ausstellungsexponate zu geben. Es sei an dieser Stelle auch noch einmal darauf hingewiesen, dass die Studiensammlung nach Voranmeldung und unter Führung praktisch jederzeit besucht werden kann.

Ab 15 Uhr fand der letzte Vortragsblock statt. Alain Geiger präsentierte unter dem Titel "Auch der Weg der geodätischen Erkenntnis ist mit Unsicherheit gepflastert" eine Reise durch die Unsicherheiten in der Geschichte der Geodäsie. Sein äusserst kurzweiliges Referat, bei welchem euch verschiedene Experimente live gezeigt wurden, behandelte die Ursachen welche falsche Modellannahmen bei der Interpretation von Resultaten haben können. So zeigte er zum Beispiel anhand der Messungen des Eratosthenes, dass anstatt des Erdumfangs auch der Abstand der Sonne hätte bestimmt werden können wenn man ein falsches Modell angesetzt hätte (Erde flach). Als weiteres Kuriosum erwähnte er die Flat Earth Society welche im 19. Jahrhundert gegründet wurde und von der Ebenheit der Erde überzeugt bis heute überzeugt ist. Die Herleitung ihrer Aussagen beruhen aber auf falschen Modellannahmen. Der letzte Vortrag des Tages widmete sich dem Alpenrheintal und wurde durch Eugen Voit gehalten. Er beleuchtete die verschiedenen wirtschaftlichen Aspekte des heutigen "High Precision Valley" und wies unter anderem auch auf die grosse Bedeutung dieses Wirtschaftsraumes hin welcher sich allerdings über drei Länder erstreckt. In der Vergangenheit war diese Region geprägt vom wilden Rhein und den durch diesen Fluss verursachten Überschwemmungen. Da dadurch eine sinnvolle landwirtschaftliche Nutzung des Bodens kaum möglich war, begannen die Leute bereits früh andere Betriebszweige zu erschliessen (z.B. Textilindustrie). Mit der Einführung der Eisenbahn sowie der Regulierung des Rheins erlebte die Region einen Aufschwung. Tatkräftig dazu beigetragen haben verschiedene, einheimische und ausländische Unternehmerpersönlichkeiten welche das Potential der ansässigen Bevölkerung, wie Präzision und Zuverlässigkeit, geschickt nutzten.

Mit den Schlussworten und Danksagungen durch Kaba Rössler und Reinhard Gottwald endete die Veranstaltung pünktlich um 16 Uhr.

Zu guter Letzt ein herzliches Dankeschön an das Stadtmuseum Aarau für die Beheimatung und Mitorganisation des Anlasses und dem Catering für die ausgezeichnete Versorgung der Teilnehmer. Ein ebenso grosser Dank gilt unseren beiden weiteren Mitveranstaltern der Schweizerischen Geodätischen Kommission (SGK) sowie dem Institut für Vermessung und Geoinformation (IVGI) der FHNW und natürlich sämtlichen Referenten/in.

 

Die November Ausgabe der "Geomatik Schweiz" dient als Tagungsband. Sämtliche Artikel der Referate sind darin enthalten. Nachfolgend können diese auch als PDF heruntergeladen werden.

 

Einige Impressionen des Anlasses (Fotos Reinhard Gottwald und Thomas Glatthard)

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