Vermessungstechnische Instrumente

Die Gesellschaft für die Geschichte der Geodäsie in der Schweiz hat sich vorgenommen, eine Bestandesaufnahme des in der Schweiz gesammelten oder anderweitig noch vorhandenen geodätischen und vermessungstechnischen Instrumentariums zu erstellen. Sie konnte dabei auf die Vorarbeit einer Arbeitsgruppe zurückgreifen, aus der im Jahr 2001 die Gesellschaft für die Geschichte der Geodäsie hervorgegangen ist.

Vor dem Vergessen bewahren

Die mechanische Präzision von geodätischen und vermessungstechnischen Instrumenten ist augenfällig, Fernrohre und Mikroskope erhöhen die Faszination. Sammeln und aufbewahren liegen nahe, obwohl oft Funktion und Anwendung der Instrumente nicht mehr bekannt sind.

Beispiel: die um 1860 entworfenen topographischen Rechenschieber. Neuerdings hinterlassen wirre Tastaturen und winzige Bildschirmchen an den Instrumenten ein sehr ausgeprägtes Gefühl von Hilflosigkeit.

Früher waren viele Instrumente von nicht zu überbietender Einfachheit. Oft verfügten Kippregeln anstelle eines Fernrohrs nur über ein Diopter, zudem fehlten Höhenkreis und Parallel-Lineal. Für derartige Kippregeln ist die Arbeitsweise jedenfalls wesentlicher als die Diskussion des Instrumentes selbst. Im Laufe der Zeit wurden die Instrumente immer vielfältiger und je länger je mehr in Typen verschiedenen Zwecks unterteilt.

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert herrschte eine enorme Vielfalt. Ein grosser Teil der Konstruktionen war mit dem Namen eines Praktikers oder Erfinders verbunden, der eine Verbesserung vorgeschlagen hatte. Man denke an den Doppelbild-Tachymeter Bosshardt-Zeiss oder an den Tachymeter Sanguet. Die Herstellerfirmen von Vermessungsinstrumenten bemühten sich damals kaum um Neuerungen, sie wurden ihnen von aussen zugetragen.

Nach 1970 lösten elektronische Distanzmesser die konstruktiv und fabrikatorisch vertrackten Reduktionstachymeter ab. Gleichzeitig wurde die Vielfalt an Typen verschiedenen Zwecks durch Reihen von universelleren Instrumenten verschiedener Genauigkeit ersetzt. Dank Elektronik und Computer schälten sich allmählich als Grundtypen die Totalstation und das Digital-Nivellier heraus. Aufgerüstet durch Zusatzmodule sind sie wohl allen Messproblemen gewachsen, freilich zumeist nicht ohne erhebliche Erweiterung der Software.

Seit jeher wird beiseite gestellt, was ausgedient hat. Auch was nicht sogleich weggeworfen wird, droht früher oder später unterzugehen. Deshalb sollen auch neue Instrumente inventarisiert werden, damit zumindest dem Vergessen vorgebeugt wird. Der 1977 gezeigte WILD Tachymat TC 1000 mit Registrierung der Messwerte auf Magnetband gehört somit ebenso ins Inventar wie der Borda-Kreis von Schenk in Worblaufen aus dem frühen 19. Jahrhundert des Historischen Museums Bern.

Zur besseren Unterscheidung sind die inventarisierten Objekte nach Typen klassiert, deren Beschreibung dem Inventar vorangestellt ist. Es sind keine strengen Definitionen, doch sollen sie die Konstruktionen sinnfällig gegen einander abgrenzen. Zur Klärung von ehemals bestehenden Begriffswelten vermessungstechnischer Instrumente erweisen sich alte Kataloge als überaus nützlich.